BLUES CORNER nichtkommerzielle Information  Stand 20.10.2000
Wer kennt es nicht, das Cover der Dire Straits - CD "Brothers in Armes" aus dem Jahr 1985. Abgebildet ist dort nichts weiter als eine Gitarre deren Hals im Nichts verschwindet. Ob dies Absicht ist oder nicht, sei dahin gestellt, auf jeden Fall liegt die Betonung auf dem Klangkörper der chromblitzenden Gitarre. Denn der ist offensichtlich aus allerfeinstem Stahl.

Dennoch kann es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Instrument durchaus um eine ganz neue Gitarre handeln, denn gebaut werden sie immer noch bzw. wieder und zwar in der gleichen außergewöhnlichen Qualität, die auch schon vor mehr als siebzig Jahren Gitarrenfreaks aus aller Weit begeisterte.

Ein solcher Gitarrenfreak ist auch der Bluesmusiker und Balticult - Mitglied Hartmut Woelke aus Bargteheide. Er besitzt einige ganz unterschiedliche Exemplare dieser Gattung und ist in der Lage, zu jedem der Instrumente interessante Hintergrundgeschichten Über deren Wanderschaft durch die Hände verschiedener bekannter und unbekannter Musiker, zu erzählen.

Auf den folgenden Seiten gewährt er uns einen ersten Einblick in die Welt der Resonatorgitarren. Sollte jemand durch den Bericht so richtig auf den Geschmack kommen und nicht mehr ohne Stahlgitarre leben können bzw. mehr Informationen wünschen, kann er sich direkt an den Autor wenden und zwar unter folgender Adresse:
Das berühmte Cover der vierten 
Dire Straits - CD mit eine Steel-Guitar die in den Wolken schwebt.

Hartmut Woelke

Stormarner Straße 13

22941 Bargteheide

Telefon: 04532 - 1699

Absoluten Laien in der Gitarrenkunde konnte der Gedanke kommen, der Gitarrist sei seiner Zeit weit voraus und hätte sich ein nagelneues, bis dahin unbekanntes Gitarrenmodell gekauft. Dem war aber nicht so, denn wie wir der Abhandlung auf den folgenden Seiten entnehmen können, wurden erste Instrumente bereits in den 20er Jahren in Nordamerika hergestellt.

Chromglanz und Metallsound  - Die Resonotorgitarre und ihre Entstehung
Am Anfang stand der Wunsch noch mehr Lautstärke. Zu Beginn der 20er Jahre dachten zahlreiche Musiker, 
allen voran die Gitarristen, Verstärkung ihrer Instrumente nach.
Zu dieser Zeit formierten sich in der Unterhaltungsmusik Besetzungen mit weniger Musikern, aber relativ großer
Lautstärke, Der Sound wurde durch die Blasinstturnente bestimmt die auf Grund ihrer natürlichen Lautstärke die
anderen Instrumente übertönten.

George Beauchamp, Künstler und Gitarrist, hatte den Wunsch eine Gitarre zu spielen, die laut genug war, um in allen Situationen als
Soloinstrument fungieren zu können.

Angeregt wurde er dazu durch
einen Bandkollegen, der die Lautstärke seiner Violine mit dem Trichter eines Grammophons erhöhte. Für George Beauchamp galt es nun, jemanden zu finden, der das gleiche System auf eine Gitarre übertragen könnte.

Seine Suche führte ihn schon bald zu John Dopyera. Als Sohn eines aus der Tschechoslowakei eingewanderten Geigenbauers war er, wie sein Vater, im Instrumentenbau tätig. Zusammen mit Bruder Rudy hatte er bereits Erfahrungen im Reparieren von Geigen als auch in der
Gestaltung von Banjos gemacht.

Allerdings verlor das Banjo in den 20er Jahren mehr und mehr an Popularität, so daß Dopyera ernsthaft über eine über die Konstruktion von Gitrarren mit neuerer Bauart nachdachte. 

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt trat Beauchamp an ihn heran. Die ersten Versuche nach seinen Bauplänen waren nicht von Erfolg gekrönt.

Aber John Dopyera gab nicht auf. Er entwickelte nun ein System von drei runden Resonatormembranen aus Aluminium, die in einen Korpus aus Metall eingebaut wurden.

 

1928 erschien das Sparmodell Triolian, das nur einen großen Resonator besaß und zunächst mit Holz-, später auch mit Stahlkorpus geliefert wurde. 1931 stellte National die noch preisgünstigere Duolion vor. Sie entsprach in etwa der Triolian, jedoch ohne jegliche Verzierung und eingefaßtem Griffbrett. Beide Modelle wurden bevorzugt von Blues - Musikern verwendet.
Das wichtigste Patent im Leben von John Dopyera. Er reichte es 1927 beim amerikanischen Patentamt für die von ihm erdachte Tricone Steel Guitar ein. Sie wird noch heute in nur wenig veränderter Weise hergestellt.
Ein Jahr später ergänzte die Style-O das Programm. Auch sie mit nur einem Resonator und außerdem einem Korpus mit sandgestrahltem Palmenmuster als Verzierung. John Dopyera um 1930 in einer seiner zahlreichen Werkstätten.

Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1930. Sie zeigt Maria Valente ja,genau, die Mutter von Caterina Valente, mit einer Style 1 Tricone - Resonatorgitarre auf einer Theaterbühne in Deutschland.

Es gab bald Differenzen zwischen Dopyera und Beauchamp. Dopyera verließ National und gründete 1929 ein eigenes Unternehmen mit dem Namen Dobro (Dopyera Brothers). Er Übernahm das Resonatorkonzept, änderte es aber gegenüber den National - Modellen entscheidend. Zum einen stellte er ausschließlich Einresonatormodelle her, mit einem Korpus aus Sperrholz. Zum anderen konstruierte er einen neuen Trichter.

Einige Jahre später fanden Dobro und National wieder zusammen. National bot nun ebenfalls Modelle mit Holzkorpussen an, Dobro lieferte dafür Varianten mit Metallkörpern.

Die neuen Dobros sind sowohl mit Holz- als auch mit Metollkorpussen zu erhalten und können wahlweise mit dem National- als auch mit dem Dobroresonator geliefert werden.

Die Resonatorgitarren eignen sich für ein weites Es hat sich so ergeben, dass für ganz bestimmte Stilrichtungen einige Modelle besser
geeignet sind als andere.
Der Dobro - Resonator weitete sich noch vorn, auf seiner Öffnung saß ein Steg mit acht Auslegern (Spider), der durch den Saitendruck fest auf den Trichterrand gepresst wurde. Bluesers Traum: Eine echte Duolian.

Entscheidendes Merkmal war das Resonatorsystem. Dobro benutzte den Trichter mit Spider, National das nach hinten offene System mit der Saitenlage auf der Kegelspitze.

Einzelteile für Single - und Tricone - Resonatoren Der Countryblues z.B. wurde geprägt durch den Klang den der Stahlkorpus lieferte. National Duolion und Triolion Modelle erzeugten den Sound von Son House, Bukka White und Blind Boy Fuller. Auch weiße Gitarristen wie Johnny Winter, Rory Gallagher, Roy Rogers Lind John Hammond griffen bzw. greifen bei entsprechenden Stücken auf diese Instrumente zurück.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Firma von Valco übernommen. Unter der neuen Leitung wurde das Modell Resophonic entwickelt, das auch Studentenmodell genannt wird. 

In den 60er Jahren wurde auch der Resonatorunterschied aufgegeben. Angehörige der Familie Dopyera gründeten die Firma OMI, erworben die Rechte am Namen Dobro zurück und legten eine neue Serie dieser klassischen Instrumente auf.

In der heutigen Zeit befindet sich die Firma Dobro in den Händen Gibsons. Aus der Dobro-Belegschaft waren zuvor schon die beiden Angestellten Mc Gregor Gaines und Bob Young ausgeschert um sich gänzlich dem Erbe der National zu widmen.

Unter dem immer noch klangvollen Namen produzieren sie seit einigen Jahren Single - Resonator - Modelle sowohl mit Holz- als auch mit den bekannten Metallkorpussen.

Bei mittlerer Saitenlage können obwechselnd Akkorde gegriffen und Slide - bzw. Bottleneck - Techniken eingesetzt werden. Die Instrumente klingen insgesamt sehr perkussiv.

Der Autor dieses Beitrages beim Bluesworkshop in Vogelsang, mit einer National - Resophonic.

Leider ist es nicht möglich, an dieser Stelle den Sound der beschriebenen Gitarren vorzuführen, deshalb sollen wenigstens die Augen nicht zu kurz kommen. Auf der folgenden Seite zeigen wir deshalb eine subjektive Auswahl der schönsten Exemplare.
Ein Wechsel zwischen tief grollenden Basslinien und schrillen bis singenden Tönen ist möglich. Ähnliches kann auch ein Messinginstrument liefern, insgesamt wird der Eindruck aber eindeutig wärmer ausfallen.

 

Sie führen das legendäre Erbe fort. Mc Gregor Gaines und Bob Young.
National Resonatorgitarren der Gegenwart. Text: Hartmut Woelke noch einem Artikel von Manfred Nabinger aus -Gitarre Akustik` 1/95. Fotos: National Reso-Phonic Guitars Ernst Groth Bob Brosamen John Seivert Manfred Nabinger.